Ein höllischer Spaß

Zwei Bands bringen das Junge Theater zum Brodeln

Die Tanzfläche brodelt. Brechend voll das Haus. Zwei Bands geben ihr Forchheimer Debür in einer Weise, dass dem Publikum der Mund offen stehen bleibt. So die Leute überhaupt still stehen bleiben und schauen, denne die meisten tanzen, pogen und schwenken ihre langen Haarmähnen im Kreis. "Burning Sax" und "Die Prokuristen" sorgten dafür, dass der unscheinbar "Party Time" betitelte Abend im Jungen Theater zu einem absoluten Kracher wurde.

Wie lange es "Burning Sax" nun schon gibt, darauf müssen sich die Bandmitglieder erst verständigen: "Schreiben Sie ein dreiviertel Jahr" einigen sich der bestens gelaunte Gitarrist Micha Kraus und der ebenso aufgedrehte Drummer Manuel Zäh schließlich. Verständliche Euphorie, wenn man gerade eines der besten Debüts der vergangenen Jahre abgeliefert hat.

Acht Leute, die auszogen, Forchheim zu erobern mit einer Musik, die hier zu Lande, trotz der bekannt bunten Forchheimer Szene, bis dato noch kaum vertreten ist: Skapunk. Wer vor dem Freitag nicht wusste, was das ist, den belehrten "Burning Sax" eindrucksvoll, nab könnte auch schreiben: sie bekehrten ihn.

Schräger als Ska

Denn dieser Stilhybrid aus dem schräger und irgendwie indiemäßiger als Ska gebrachten Bläsersatz (Tobias Niklaus: Saxofon, Simon Kintopp: Posaune, Stefan Schmitt: Trompete), der für geradezu extreme Tanzbarkeit sorgt, und der rotzig ungeglätteten Atmosphäre des Punk zündet.

Bassist Tobias Kötter, Keyboarder Peter Rebhan und Sängerin Hadil Ali vervollständigen das Oktett, bei dessen Formation die beiden Forchheimer Gymnasien mit ihren diversen musikalischen Einrichtungen eine nicht unerhebliche katalytische Wirkung entfalteten. Zusammen produzieren sie einen Rythmus, bei dem ein jeder mit muss, einen ziemlich unverwechselbaren Sound, der auch die im Moment gegenüber dem selbst geschriebenen Repertoire noch recht zahlreichen Coverstücke zu etwas eigenem macht.

So bringt die Gruppe eine schier unheimliche Energie auf die Bühne - und dann verfügen "Burning Sax" auch noch über Hadil Ali. Eigentlich verbietet es sich bei einer derart frisch fröhlich frei und geschlossenen aufspielenden Gruppe einzelne allzu sehr hervorzuheben, aber die Stimme dieser Sängerin ist schlichtweg ein Phänomen. Ein zierliches Persönchen wirkt sie ab und an noch fast schüchtern auf der Bühne - bis sie schließlich zu singen anfängt.

In Ina Deter verwandelt

Von einem Augenblick zum anderen verwandelt sie sich, wirkt als hätte sie noch nie was anderes getan und bringt ein völlig unerwartetes Stimmvolumen, dass man glaubt, Ina Deter wäre wieder am Start. Wenn man es nicht selbst miterlebte, dann könnte man es kaum glauben: Hadil Alis Gesang stellt allein ein vollwertiges Gegengewicht zu dem geballten Druck dar, der von Gitarre, Bass und Bläsern ausgeht. Fantastisch.

...

So wurde man an diesem Abend erheblich belehrt - und das hat noch dazu höllischen Spaß gemacht.
Alexander J. Wahl
(Quelle: Nürnberger Nachrichten vom Montag den 28. Februar 2005)